GeoSteps - Alexander Wachter
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Nordeuropaforschung

 

Externo! Quo vadis ad borealem?

Reisender! Wohin gehst Du im Borealen?

 

Tourismus in der Barentsregion

Aspekte eines peripheren Raumes unter besonderer Berücksichtigung des russischen Oblasts Murmansk

von

Arne Sünnemann
Alexander Wachter

 

1. Einführung

In Zeiten weltweiter Globalisierung rücken gerade periphere Räume mehr und mehr ins Interessenfeld von Wirtschaft und somit auch von Forschung. Periphere Räume, die in der Regel sensible ökologische Gleichgewichte beheimaten, sind häufig schon weiter in das Globale System einbezogen, wie dies auf den ersten Blick scheinen mag.

Tourismus spielt neben Rohstoffgewinnung in diesen peripheren Räumen eine immer wichtigere Rolle. Im Bezug auf den Borealen Nadelwald sollen hier die raumspezifischen Gegebenheiten der Barentsregion dargestellt werden.

Einer der Haupttrends - wie allgemein zu sehen ist - geht in Richtung Natururlaub, besser Urlaub mit Naturelementen wie z. B. Riverrafting, Bungjee Jumping, Tauchen, Mountainbiking, Paarragleiten, etc.

 

Man stellt sich die Frage, ob sich dieser Trend zwar in, aber gegen die Natur entwickelt?!

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2. Abgrenzung der Region

Die Barentsregion:

Unter dem Begriff "Barentsregion" werden die nördlichen Gebiete Norwegens, Schwedens und Finnlands mit den russischen Bezirken Murmansk und Archangelsk und der Republik Karelien zusammengefasst.

Hier wohnen auf einer Fläche von 1,3 Mio. km² 5 Mio. Einwohner (= 3,8 Einw./km²). Die größten Städte der Region, Murmansk (400000 Einw.), Archangelsk (400000 Einw.) und Petrosawodsk (270000 Einw.), liegen auf russischer Seite.

Dieses sehr dünn besiedelte Gebiet mit großen Entfernungen macht ein Miteinander über die Grenzen hinweg unerlässlich, um in Zeiten der zunehmenden Globalisierung eine sinnvolle Entwicklung zu gewährleisten. Daher wurde 1992 auf Anregung Norwegens die Barentsregion (Barents Euro-Arctic Region) geschaffen und 1993 durch die sogenannte "Kirkenes-Vereinbarung" eine multilaterale Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fragen in die Wege geleitet.

 

Barentsregion

Karte1: Barentsregion

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3. Angebot der offizielle Reiseveranstalter

Um eine aussagekräftige Übersicht über das Angebot der offiziellen Reiseveranstalter zu erhalten wurden in die Erhebung folgende Unternehmen mit einbezogen:

1. Studiosus, größter Studienreiseveranstalter des deutschsprachigen Raumes

2. Dr. Tigges (TUI Gruppe), die Nummer zwei deutschsprachiger Studienreiseveranstalter

3. Wolters (TUI Gruppe), unangefochtener Marktführer für Nordeuropareisen

4. Der Tour

5. Red Prince Nature, Spezialanbieter für Nordeuropareisen

 

Anbieter

Reisen [n]

Art

Beschreibung

Studiosus

7

Studienreise

1N/Fin Klassische Rundreise
1N/Fin/S Klassische Rundreise
2N Hurtigruten
1N Lofoten + Nordkap
1 N Lofoten, Tromsø(Spitzbergen)
1N/Fin Naturrundreise

Dr. Tigges (TUI)

1

Studienrundreise

1N, An der Küste von Bergen bis zum Nordkap; Rückflug von Alta

Wolters (TUI)

39

8 Autoreisen
9 Busreisen
21 Schiffsreisen
1 Wanderreise
1 Wellness

2S/Fin/N, 3N, 1 Fin, 2Fin/N,
6 Fin/N. 3S/Fin/N
1 N/RUS, 19N, 1RUS
1 Fin
1 Fin

DerTour

15

5 Autoreise
5 Busreise
3 Schiffsreise
1 Bahnreise
1 Feriendorf

1Fin/N, 3S/N, 1Fin/S/N
1S, 1S/N, 1S/Fin/N, 2N
1N, 2RUS
1S
1Fin

Red Prince Nature

18

2 Busrundreise
1 Radreise
2 Bahnreise
2 Club
11 Aktiv (Rad, Wandern, Paddeln, Ski, Hundeschlitten)

1S/FIN/RUS/N, 1FIN/N/RUS
1N
1S/N, 1S
2Fin
1N, 5Fin, 2Fin/N/RUS, 1Fin/RUS, 2S

Quelle: Kataloge der jeweiligen Veranstalter 1999/2000

Legende:
N = Norwegen
S = Schweden
Fin = Finnland
RUS = Russland
[n] = Anzahl

 

 Barentsregion
Karte2: Reisearten A. Wachter

 

Typische Merkmale der Reiseformen:

1. es gibt keine Städtereisen in die Barentsregion
2. i.d.R. werden nur Rundreisen angeboten (entspricht der typischen Reiseform des individuellen Nordeuropareisenden)
3. es gibt keine Sprachreisen in dieses Gebiet
4. Angeboten werden lediglich: - Studienfahrten
5. Aktivreisen
6. Individuell (Halbpauschal )
7. Großveranstalter bieten nur Sommerreisen an
8. Bei großen Busrundreisen ist das Nordkap immer Programmpunkt
9. Das Reiseziel Nordschweden wird eher ausgeklammert
10. Allgemeine Skepsis bei Russlandreisen

Trotz der politischen Öffnung Russland konnte der Touristenstrom aus Norwegen und Finnland bisher nur gering in die russische Grenzregionen gelockt werden.

Gründe hierfür liegen auf der Hand:
11. schlechte touristische Infrastruktur (u.a. Unterkunftsschwierigkeiten)
12. nach wie vor unsicheres politisches System
13. Zu wenig Interesse beim Kunden, da diese Region noch zu unbekannt ist .
14. Visapflicht

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3.1. Raumspezifisches Verhalten anhand der statistischen Zahlen des Studienreiseveranstalters Studiosus.

 1999 reisten genau 1500 Kunden mit Studiosus in den nordeuropäischen Raum (ohne Städtereise Stockholm). Davon reisten 684 Kunden auf den 5 Reiseserien mit einem Reiseanteil nördlich des Polarkreises. Davon entfielen nur 160 Kunden auf die Reisen, die sich ausschließlich nördlich des Polarkreises bewegen.

Allgemein muss berücksichtigt werden, dass der Großteil des typischen Nordlandtourists Individualreisender ist.

 

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4. Das natürliche Potential

Ob das natürliche Potential und/oder Angebot ein Land bzw. eine Region zu einem Tourismusmagneten machen ist u.a. von subjektiven Einflüssen abhängig. Was wird als des "Sehens" würdig gehalten, was vermarkten Reiseveranstalter als Highlights, was wird in Reiseführern als absolutes Muss angesehen? Fragen, die immer nur subjektiv beantwortet werden können, doch kann man davon ausgehen, dass die häufige Nennung der gleichen Sehenswürdigkeit einen repräsentativen Eindruck vermittelt. Als zu verwertende Reiseliteratur wurde das Reisehandbuch Skandinavien 2000 herangezogen, da es derzeit der einzige Reiseführer auf dem Markt ist, der die gesamte Barentsregion behandelt.

 

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4.1. Sehenswürdigkeiten der Reiseveranstalter

 

Reisehandbuch Skandinavien
2000

Highlights des Reiseveranstal-
ters DerTour

Highlights des Reisever-anstalters Dr.Tigges(TUI Gruppe)

Highlights des Reiseveranstal-
ters Red Prince Nature(über Neckermann)

Highlights des Reiseveranstal-
ters Studiosus

Highlights des Reiseveranstal-
ters Wolters(TUI Gruppe)

1. Grønlingsgrotte
2. Svartisen
3. Polarkreis
4. Saltstraumen
5. Kjerringøy (nähe Bodø)
6. Vesterålen
7. Lofoten (Trondenes Kirche, Polarmuseum, Walsafari, Lofotenmuseum, Wikingermuseum, Å, Nusfjord, Røst)
8. Narvik
9. Alta
10. Karasjok

1. NP Rago
2. Polarkreis
3. Lofoten, Å, Nusfjord, Reine, Kabelvåg, Borg
4. Tromsø, Planetarium, Eismeer-kathedrale, Polarmuseum
5. Karasjok
6. Nordkap
7. Kautokeino
8. Alta, Felszeichnungen

9. Mitternachts-
sonne
10. Hurtigruten
11. Saltstraumen
12. Hammerfest

1. Eismeer-kathedrale
2. Felszeich-nungen Alta
3. Hurtigruten
4. Lofoten
5. Mitternachts-
sonne
6. Nordkap
7. Nördl. Stadt Hammerfest
8. Polarmuseum Tromsø
9. Rentiere
10. Rorbur
11. Walsafari
12. Wikinger-museum Borg

1. Karasjok
2. Nordkap
3. Tromsø, Polaria
4. Pasviktal
5. Lofoten, Trollfjord
6. Hurtigruten
7. Walsafari
8. Kirkenes

1. Nordkap
2. Hammerfest (nördl. Stadt)
3. Alta Steinzeichnung
4. Tromsø
5. Naturkunde-museum Tromsø
6. Walsafari
7. Lofoten
8. Nusfjord
9. Wikinger-
museum Borg
10. Narvik
11. Eismeer-
kathedrale
12. Mitternachts-
sonne
13. Hurtigruten
14. Svartisen
15. Salstraumen
16. Russische Grenze
17. Gletscher
18. Ånderdalen NP
19. Rorbuer
20. Trollfjord
21. Kirkenes

1. Alta

2. Eismeer-kathedrale
3. Erzhafen Narvik
4. Fjorde
5. Hammerfest, nördl. Stadt, Eisbärenclub
6. Hurtigruten
7. Insel Senja
8. Karasjok
9. Kirkens
10. Lofoten
11. Mitternachts-
sonne

12. Natur
13. Nordkap
14. NP Ånderdalen
15. Polarkreis
16. Reine
17. Rentiere
18. Saltstraumen
19. Samendorf Masi
20. Samenkultur
21. Svartisen
22. Trollfjord
23. Tromsø
24. Tromsø Polarmuseum
25. Walsafari

1. NP Skuleskogen
2. Gene fornby (bei Umeå)
3. Lulea (Gammelstad)
4. Vilhelmina
5. Jokkmokk
6. Gällivare
7. Bergwerk Nähe Gällivare
8. Jukkasjärvi
9. Kiruna
10. NP Abisko

1. Kiruna
2. Pajala
3. NP Abisko
4. Eishotel Jukkasjärvi
5. Vilhelmina
6. Arvidsjaur
7. Jokkmokk
8. Mitternachts-sonne
9. NP StoraSjöfallet
10. Rentiere
11. Arjeplog
12. Gällivare
13. Saxnäs

 

1. Gällivare
2. Innlandsbahn
3. Vilhelmina
4. Eishotel Jukkasjärvi

1. Kirchstubenstadt bei Umeå

1. Kiruna

1. Oulu
2. Kemi
3. Rovaniemi
4. Tankavaara (Goldwäsche)
5. Inari
6. NP Urho Kekkonen
7. Tornio
8. Kukkola-Stromschnellen (bei Tornio)
9. Aavasaksa

1. Inarisee
2. Kajaani Kirchenmuseum
3. Oulu
4. Rovaniemi, Polarkreis, Weihnachtsmann, Arktikum

 

1. Rovaniemi, Polarkreis
2. Inari, See, Sida
3. NP Oulanka
4. Bärenbeobachtung

1. Älteste lappländ. Kirchen in Sodankylä
2. Arktikmuseum (Rov.)
3. Kirche von Tornio
4. NP Lemmenjoki
5. NP Uhro Kekkonen
6. Polarkreis
7. Rovaniemi
8. Samen/Karasjok
9. Tundra

1. Inarisee
2. NP Pallastunturi
3. Rovaniemi Tankavaara Goldgräberdorf

1. Insel Valaan (Kloster)
2. Petrosawodsk
3. Kishi
4. Kem
5. Belomorsk
6. NP Paanajärvi
7. Kalevala
8. Murmansk
9. Kirovsk
10. Archangelsk
11. Solovsky
12. NP Kenozersky

1. Onegasee
2. Kischi

 

1. Prirechnyj, Akkajärvi
2. Boris Gleb
3. Murmansk
4. Kirowsk
5. Khibiny Gebirge
6. Solowsky, Kloster
7. NSG Druzhba

 

1. Murmansk
2. Archangelsk
3. Petrosawodsk
4. Kizhi

 

NORWEGEN

 

SCHWEDEN

 

FINNLAND

 

RUSSLAND

 Barentsregion
Karte 3: Sehenswürdigkeiten in den Ländern der Barentsregion A. Wachter

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4.2. Besonder Sehenswürdigkeiten des Natur- und Kulturraumes

 

 

1. Kenozersky (RUS)
2. Paanayarvi (RUS)
3. Vodlozersky (RUS)
4. Hiidenportti (FIN)
5. Lemmenjoki (FIN)
6. Oulanka (FIN)
7. Pallas-Ounastunturi (FIN)
8. Perämeri (FIN)
9. Pyhätunturi (FIN)
10. Riisitunturi (FIN)
11. Rokua (FIN)
12. Urho Kekkonen (FIN)
13. Abisko (S)
14. Björnlandet (S)
15. Haparanda Skärgård (S)
16. Muddus (S)
17. Padjelanta (S)
18. Pieljekaise (S)
19. Sarek (S)
20. Skuleskogen (S)
21. Stora Sjöfallet (S)
22. Vadvetjåkka (S)
23. Børgefjell (N)
24. Rago (N)
25. Reisa (N)
26. Saltfjellet - Svartisen (N)
27. Stabbursdalen (N)
28. Øvre Anarjåkka (N)
29. Øvre Dividal (N)
30. Øvre Pasvik (N)
31. Ånderdalen (N)

Nationalparks
Karte 4: Lage der Nationalparks A. Wachter

 

UNESCO Weltkulturgüter:

 Russische Föderation:
1990 Khizi Pogost
1992 Cultural and Historic Ensemble of the Solovetsky Islands

Norwegen:
1985 Rock Drawings of Alta

 Schweden:
1996 The Church Village of Gammelstad, Luleå
1996 The Laponian Area

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5. Fallbeispiele

 In den letzte Jahren wurden teilweise erhebliche finanzielle Anstrengung getan, die touristische Infrastruktur der Barentsregion (ohne Russland) zu verbessern. Norwegen, das durch sein stark ausgeprägtes Relief bereits ein natürliches Potential an Sehenswürdigkeiten besitzt, baut diese mit Hotels, Museen, Restaurants, Souvenirshops, etc. aus, wie man dies z.B. am Nordkap in den letzten 15 Jahren beobachten konnte. Auch die Erhöhung der Passagierzahlen durch größere Schiffe der Hurtigruten, weisen auf diesen Infrastrukturausbau hin.

Der Norden Schwedens und Finnlands hingegen kann dieser norwegischen natürlichen Konkurrenz nur schwer die Stirn bieten. Man musste folglich Attraktion selbst schaffen, wie dies z.B. durch das alljährlich neue gebaute Eishotel in Schweden geschehen ist.

Die Finnen setzten teilweise - ähnlich wie die Norweger am Nordkap - auf Massentourismus. In Rovaniemi ist eine sogenannte Santa-Claus-Village entstanden, die sich Disney-World zum Vorbild genommen hat. Ökologische Aspekte bleiben dabei vorwiegend unbeachtet. So scheut man sich nicht zur winterlichen Hochsaison Tagestouristen aus Mitteleuropa einzufliegen. Einmal im Jahr besteht auch die Möglichkeit mit dem französischen Schnellflugzeug Concord nach Santa-Claus-Village zu fliegen.

 Für Russland liegen solche Entwicklungen noch in ferner Zukunft, doch ist auch hier neben der Natur kulturelles Potential vorhanden, das touristisch nutzbar ist.

 So berichtet beispielsweise ein Reiseleiter der Hurtigruten:
"Wenn ich mit meinen Reiseteilnehmern am Ende der Hurtigruten Kirkens erreiche, haben sie es also endlich "geschafft". Man hat das "exotische" - dass man so oft auf Reisen sucht - bereits alles gefunden: Die eindrucksvolle norwegische Küste, die faszinierenden Lofoten, das Nordkap - endlich waren wir auch da - , ach ja eine Samenfamilie haben wir auch gesehen und schließlich Kirkenes, das Ende der Tour. Auf nach Hause! Beziehungsweise machen wir zuvor noch einen kleinen Busausflug an die russische Grenze!

Zuerst fährt man zum Grenzposten, ja und dann kommen die Erinnerungen. Da war doch noch mehr. Eine Nato-Grnze zu Russland, Relikte des kalten Krieges und Murmansk.... Zur Steigerung fährt man nun zum Høyden 96, die Natur ist absolut zweitrangig, jetzt heißt es zum alten "Feind" rüberschauen. Blick auf Nikel mit seinen rauchenden Schloten! Fasziniert, stumm und dann herausbrechend: "Kommt man da rüber?" (Im Hinterkopf schwirrt schon der Gedanke: "Ein neues Ziel! Eine weitere Herausforderung.")

 Die Faszination, die hier ausgelöst wird orientiert sich - zumindest bei einigen Teilnehmer - weit mehr an der Schaulustigkeit, als an diesem interessanten Naturraum, der i.d.R. ja Hauptbestandteil jeder Nordlandfahrt ist.

Freilich darf diese Aussage nicht pauschalisiert werden, doch muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Potential von technogener Wüste, russischer Kultur, Relikte des kalten Krieges und weite unberührte Natur nicht touristisch nutzbar ist.

 

Es ließen sich verschiedene Interessengruppen bedienen:
Typ 1: Gaffertourismus: Nicht typ. Skandinavientourist, Schaulustige
Typ 2: Der in Skandinavien alles gesehen hat.
Typ 3: Der Samen-Kultur Interessierte
Typ 4: Der Russlandinteressierte

 

Da hier nicht nur der typische Skandinavientourist angesprochen würde, würde sich auch eine Veränderung im räumlichen Verhalten der Reisenden wiederspiegeln.

 Tourismuswege
A. Wachter
Karte 5: Räumliche Tourismusentwicklung nach Anreiseweg in die russische Barentsregion

 

Im Speziellen wird nun auf den grenznahen Bereiche in der russischen Barentsregion eingegangen:

Vorteile - Vorteil? Nachteile

- durch die wenigen Rentiere artenreiche Vegetation (Rentierflechten)- traumhafter Herbst (Indian Summer, Ruska)- Jagdtourismus relativ problemlos- Angeltourismus- Eines der letzten Abenteuer mit "Rückversicherung" - Samenkultur- In gewisser Weise Bestechung- Religion/Schamanen- Billiger Alkohol- Nenets- Geringer Naturschutz "Scooterfahren" - sehr spartanischer öffentlicher Nahverkehr- kein Rucksacktourismus, kein Fahrradtourismus (beides nur mit Schwierigkeiten), fängt schon bei der Grenzkontrolle an. Über 20 km Schotterpiste sind nicht innerhalb der vorgeschriebenen 45 min zurückzulegen- Planung und Organisation von Reisen schwierig (entspricht jedoch wieder eher dem ursprünglichen Nordlandtourist) - Zwecks Organisation während der Reise sollte man immer mit einem Einheimischen reisen.- Keine heimische russische Kultur- Kein ausgeprägtes Dienstleistungsgewerbe, ansässige Leute sind v.a. Arbeiter, die wegen des Polarzuschlages hier her kamen.- Bestechung

Der potentielle Tourist, der den russischen Teil der Barentsregion besucht ist nicht in ein bestimmtes Schema zu pressen.

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5.1. Regionale Tourismuskonzepte in der Barentsregion am Beispiel des Oblast Murmansk

 Die Region Murmansk umfasst die gesamte Kola-Halbinsel mit einer Ausdehnung von ca. 145.000 km2. Über eine Million Menschen (01.1998: 1,016 Mio. Ew.) leben, zumeist in Städten (1998: 92%), die in erster Linie auf Industrie- bzw. Militäranlagen basieren (z.B. Nikel, Monchegorsk, Apatity und Kirovsk).

Viele dieser Industriestädte sowjetischer Prägung liegen entlang der Murman-Bahn, die noch heute das infrastrukturelle Rückgrad der Region bildet.

 Im Tourismus wird eine wichtige Chance zur Förderung der Regionalentwicklung gesehen. In den peripheren nördlichen Regionen Finnlands und Norwegens spielt er eine wesentliche Rolle und soll durch gezielte Förderung dazu beitragen, den Bewohnern dieser Region eine Perspektive zu geben. Auch auf der russischen Seite sieht man im Tourismus eine Chance aus der Krise heraus zu kommen. Gerade hier führen die ökonomischen und ökologischen Probleme zu einer Abwanderung der Bevölkerung.

Die allgemeine ökonomische Krise in der russischen Föderation hat sich auch im Oblast Murmansk niedergeschlagen. Die industrielle Produktion geht seit Anfang der 90er Jahre zurück. Arbeitslosigkeit und Abwanderung nehmen drastisch zu. Die Modernisierung der maroden Kombinate lässt auf sich warten und so erhofft man sich vom Tourismus positive Effekte für die Region, obwohl es sich um eine rohstoffreiche Region handelt.

 

Das touristische Profil der Region

 Tundra säumt die Murman-Küste der Halbinsel Kola, Gebirgstundra bedeckt deren höchste Berge, die sich an einzelnen Stellen bis über 1000m erheben. Dazwischen breitet sich eine Waldtundra aus weitständigen Birken aus. Es herrschen Nadelwälder vom Typ der nördlichen oder mittleren Taiga vor.

Das touristische Potenzial beruht in erster Linie auf dieser unberührten, wilden nördlichen Naturlandschaft, den klimatischen Besonderheiten der Region, sowie der nordischen Kultur (Sami, Nenets). Wichtige Anziehungspunkte sind die Polarnacht, der nordische Herbst, sowie Naturaktivitäten rund ums Jahr. Auf der Kola-Halbinsel bestehen hervorragende Angelmöglichkeiten. Wander- und Jagdreisen bieten sich an. Unweit der Stadt Kirovsk im Gebiet Khibiny besteht die Möglichkeit Wintersport zu treiben. Der Kultur- und Städtetourismus spielt im Vergleich zum Naturtourismus eine eher untergeordnete Rolle, obwohl Murmansk als nördlichste Grosstadt, eine Ausnahme bildet.

 

Vorhandene touristische Infrastruktur und Sehenswürdigkeiten

 Die vorhandene Infrastruktur ist in erster Linie Nord-Süd ausgerichtet (Murman-Bahn, Strassen). In Zukunft muss die Ost-West-Achse verstärkt ausgebaut werden, da die meisten westlichen Touristen über Nordnorwegen und Finnland einreisen werden.

Eine touristische Basisinfrastruktur ist vorhanden. Die meisten größeren Städte verfügen über mindestens ein Hotel. 1995 wurden in der Region 600.000 Übernachtungen in Hotels registriert (Quelle: Goskomstat). Vom norwegischen Kirkenes werden Tagestouren nach Murmansk und in die nähere Umgebung angeboten. Die touristische Infrastruktur erstreckt sich zumeist nur auf die wenig attraktiven Städte (siehe Karte). Die weiten, unberührten Teile der Kola-Halbinsel sind touristisch kaum erschlossen.

 

Murmansk, als administratives Zentrum der Region, verfügt über eine gute touristische Infrastruktur. Es gibt einen Flughafen, einen Bahnhof, den Endpunkt der berühmten Murman-Bahn, die nach St. Petersburg führt, eine direkte Busverbindung nach Kirkenes, sowie mehrere Hotels und Museen. Eine Befragung von Reiseanbietern, im Rahmen der Erstellung des touristischen Entwicklungsplanes für die Region Murmansk 1997, hat ergeben, dass eine Vielzahl von touristischen Produkten nachgefragt wird (siehe Tabelle). Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass sich die Zahl der Touristen (1995: 600.000 Übernachtungen) in Grenzen hält.

 

Entwicklungschancen, Hemmnisse, Konflikte

Wie bereits erwähnt, liegen die Stärken der Region in erster Linie in der naturräumlichen Ausstattung der Region. Die Natur bietet ideale Voraussetzungen für ganzjährigen Naturtourismus. Ein grundlegendes Problem, das mit dem Naturraum eng verknüpft ist, sind die Mücken, die in den Sommermonaten durchaus abschreckend auf potentielle Touristen wirken können.

Die ökonomisch, sowie politisch labile Lage Russlands führt zu einer Verunsicherung bei Touristen und Investoren. Positiv hingegen ist die Nähe zur EU und zu Nordnorwegen, hier können wichtige Impulse für eine touristische Entwicklung ausgehen.

Negativ wirken sich die unzureichende Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur, sowie die gravierenden Umweltprobleme aus. Die unberührte Natur steht in starken Kontrast zu den industriellen Hinterlassenschaften der Sowjetunion. In einigen Gebieten der Kola-Halbinsel, insbesondere im zentralen Teil um Monchegorsk, gibt es gravierende Umweltschäden. Der Tourismus in der Region wird sich zukünftig der stärker werdenden Flächennutzungskonkurrenz der Industrie stellen müssen, die in Zukunft die Rohstoffe auf der Kola-Halbinsel und in der Barentssee abbauen wird.

Auch punktuell um die Siedlungsschwerpunkte sind die Umweltprobleme unübersehbar. Gerade hier an diesen wenig attraktiven Orten befindet sich die vorhandene Tourismusinfrastruktur (Hotels, Restaurants, Museen). Daher ist es notwendig entlang von Entwicklungsachsen nachhaltige Tourismuszentren zu errichten, die in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Bevölkerung den intakten Naturraum schonend erschließen.

 

 

* nach Aussage Murmansker Reiseanbieter (16 Anbieter wurden befragt)

1= geringe Nachfrage , 3= große Nachfrage

Quelle: Master Plan for Tourism in Murmansk Region 1997, überarbeitet

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 6. Perspektiven für den grenznahen, russischen Teil der Barentsregion 

Betrachtet man sich andere boreale Regionen, die wie die Kola-Halbinsel durch Bergbau geprägt sind, können Parallelen gezogen werden. So schöpft Nordkanada und Alaska einen Großteil seines touristischen Potentials aus den ehemaligen Goldgräbersiedlungen. Chilkoottrail, Whitehorse, Dawson City, Orte, die ganz oben auf der Besucherliste von Nordlandtouristen auf dem amerikanischen Kontinet stehen.

Auch die immense Umweltbelastung mit ihren riesigen Industrieanlagen auf der Kolahalbinsel können nutzbare touristische Potentiale darstellen. Dass sich ein Strukturwandel in nur wenigen Jahrzehnten bewältigen lässt, hat das deutsche Ruhrgebiet gezeigt. Ehemalige Industrieanlagen sind heute begehrte und vielbesuchte Kulturdenkmäler.

Das russische Potential ist im Vergleich zu seinen Nachbarn nicht zu unterschätzen. Freilich darf die derzeitige wirtschaftliche Lage Russlands nicht außer Acht gelassen werden. Investitionen in dieser Region stehen meist nicht im Verhältnis zum ökonomischen Nutzen, was nach unserer Meinung eine touristische Entwicklung in den nächsten Jahren leider ausschließt. Hinzu kommt das unkalkulierbare Verhalten des russischen Verwaltungswesens, das viele ausländische Investoren davon abhält in diese Region (touristisch) zu investieren.

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Literatur: 

Aira Matti (1997): Development Programme for tourism in Murmansk region, Savonlinna 

Deibel A., Gehrke M., Goerke U., Klatt K., Krämer T., Labonde H., Schwarz M. Stickeln L., Wachter A. (2000): Skandinavien Reisehandbuch 2000. 410 S.. 

Ellenberg, L. (1998): Tourismus zwischen Ökonomie und Ökologie - Einige Thesen zur Nachhaltigkeit im Tourismus. In: RAUSCHELBACH, BURGHARD (Hrsg.); GTZ (1998): (Öko-) Tourismus: Instrument für eine nachhaltige Entwicklung? - Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit.S.25-28, Heidelberg

EU/ Ministry of the Environment of Finland/ Building Committee (Gosstroi) of Russia (1997): Barents Development Zone

Goskomstat Russland (1996): Murmanskaja Oblast w zifrach 1996, Murmansk

Hønneland,G./Jørgensen A-K. (1999): Cross-Border Perspectives on a North Russian Gateway, in: Post-Soviet Geography and Economics, Nr. 1, S. 44-61

Krager, A. Hrsg. (1978): Fischer Länderkunde Sowjetunion, Frankfurt 1978

Vorlaufer; K. (1996): Tourismus in Entwicklungsländern - Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Entwicklung durch Fremdenverkehr

Aktuelle Reisekataloge 2000 der Reiseveranstalter Studiosus, Dr. Tigges, Wolters, DerTour

 

Alexander Wachter
Arne Sünnemann

>> Nächstenliebe ist die einzig mögliche Realpolitik. << - Fridtjof Nansen, norwegischer Polarforscher und Diplomat, 1861-1930, Friedensnobelpreis 1922