Summary
This paper is an
attempt to establish the settlement structure on
Faeroes by using the generative-retrospective
theory, to compare the results with the current
distribution of Central Places (centres of supply)
and to show its future potential. Thus the paper
explains, based on Walter CHRISTALLER's Central
Place Model (1933), how far the island's relief
limits the geographical distribution of Central
Places.
In order to show
that CHRISTALLER's model can be applied to the
current stadium and the future development of the
Faeroes, an analysis of their natural conditions
was necessary. Particularly the homogeneity of
landscape, which CHRISTALLER named as one of the
basic prerequisites, was to appear as a problem due
to the relief of the Faeroes. The regional part of
the paper refers to this problem in addition to the
unfavourable factors at the northern border of the
community.
We tried to give
a detailed picture of the Faeroes by evaluating
historical conditions (chapter 3) and analysing the
development of economy (chapter 4), population
(chapter 5), settlement (chapter 6), and
infrastructure (chapter 7). Then we established and
compared Central Places by applying the Central
Place Model (chapter 8).
The initial
assumption that the relief was the main factor
determining settlement can be rejected. In the
course of the development of settlements it became
less important. CHRISTALLER's model can be accepted
for the Faeroes and applied to future planning
because the distribution of Central Places is
homogeneous. A natural limitation for the
development of settlements does not exist any
longer. With the introduction of reinforced
concrete, of technical equipment for tunnel
construction and the necessary skill, building with
natural materials has been exceeded by far with
respect to size and statics. The three main
characteristics of the latest developments of
cultural landscape are:
- strong losses
of population at the periphery
- reinforcement
of the development axis Tórshavn -
Runavík - Klaksvík
- a policy of
supporting rural areas
This policy in
particular results in a rural settlement structure
that is a varied mixture of old and new structures
and in an improving infrastructure. It depends on
the future financial situation of the islands how
strongly the extension of infrastructure will be
reinforced in the future.
The result of
the distribution of Central Places with their
region of supply can be divided into three
areas:
1. well
supplied regions
2. partly
supplied regions
3. insufficiently
supplied regions
From a merely
economic point of view the current policy of
actively restructuring rural areas will and cannot
continue. However, a country like the Faeroes
should not base its search for possible markets on
the present situation. A good example for this is
Mykines with its huge bird colony. It provides an
important opportunity of extending tourism despite
its place at the periphery and its demographic
losses in the last years.
Idyllic as the
little villages on the fjords may be situated,
their preservation will not always be possible. The
future for the islands will be the further
extension of a few centres. As the hinterland does
not supply the centres cost-effectively, it is of
no economically acceptable use for them and so has
to be neglected for the sake of the centres.
This means that
a balance between the principles of actively and
passively restructuring rural regions has to be
found in order to strengthen the insufficiently
developed centres. Expensive tunnel and road
constructions into the scarcely populated periphery
cannot be the future for the Faeroes.
If the islands
became independent from Denmark, the current policy
of active restructuring would have to be changed
into a policy of passive restructuring, that is to
say a policy towards centralisation. Thorshavn with
its characteristics of a Primate-City could be a
basis for that. Investments into the periphery of
the Faeroes cannot be financed and would at best
create a museum.
In my opinion
only two chances for the islands exist: First of
all, the financially supported remaining with
Denmark. This would be the simplest and safest
solution. The second possibility would be the
concentration on a few centres, provided that
Denmark permitted self-administration. This would
give the Faeroes a real chance of survival in the
times of globalisation and a tightened situation on
the global market, that goes hand in hand with
it.
1.
Einführung
Wie sieht die
Zukunft der Färöer aus? Sicherlich eine
berechtigte Frage, nach der schweren
Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre. Nachdem
sich die grössten Wogen mittlerweile gelegt
haben, geht es nun darum, die langsam einkehrende
Stabilität der färöischen
Wirtschaftsstruktur zu stärken und behutsam
auszubauen. Diese Stabilisierung und Verbesserung
der Lage kann nur durch eine bedachte und wohl
überlegte Politik, ohne hektische
Ausbrüche bewerkstelligt werden.
Gerade der
Siedlungserhalt und der damit verbundene notwendige
Infrastrukturausbau peripherer Gebiete ist bzw. war
eines der obersten Ziele der Regierung. Diese
sogenannte Aktivsanierung der ländlichen
Räume ist zwar als positiv zu werten, da sie
vor dem Hintergrund der Kulturerhaltung gesehen
wird, aber leider ist diese Art der Sanierung eine
äusserst kostspielige Angelegenheit - so
kostspielig, dass sie für die Färöer
in Frage gestellt werden muss.
Doch eine
pauschale Absage an die Aktivsanierung wäre
genauso verkehrt wie eine planlose Investiotion in
den peripheren Raum. Um jedoch eine Optimierung
dieser Massnahmen zu erzielen, muss die momentan
vorhandene Struktur der 117 Siedlungen
zunächst erfasst und dann analysiert
werden.
2. Die
historisch-genetische
Siedlungsentwicklung
Gehen wir also
zunächst einmal von den naturräumlichen
Gegebenheiten der Inseln aus, und verfolgen die
Frage, warum eine Siedlung dort liegt, wo sie
liegt.
Im Allgemeinen
kann gesagt werden, dass die färöischen
Siedlungseinheiten (Gebäude mit indmark) -
typisch für glazial überformte
Landschaften - in Trogtälern (am Fjordufer),
in Karlagen, auf Trans- oder Konfluenzstufen
liegen. Im Speziellen musste aber stets ein
geschützter Hafen oder Bootsanleger vorhanden
sein, um die Versorgung von aussen zu
gewährleisten. Da die Basaltschichten der
Inseln nach Osten einfallen, finden sich an den
Ostufern meist flachere Areale, die bei der
Landnahme bevorzugt wurden. Es muss allerdings
beachtet werden, dass die ersten Siedler, die nach
der Machtübernahme Norwegens durch Harald
Hårfarge aus ihrer Heimat flohen, keine
grossen Ansprüche stellen konnten, sondern
sich dort niederliessen, wo eine Grundversorgung
ihrer Einschätzung zur Folge möglich
sei.
Zum
Überleben in diesem "neuen" Land mussten vor
allem drei Grundbedürfnisse gedeckt
sein:
1. Genügend
Trinkwasser.
2. Flache
Areale, die Landwirtschaft zuliessen.
3. Einen
geschützten Hafen, der noch bis Mitte dieses
Jahrhunderts die wichtigste infrastrukturelle
Einrichtung darstellte.
Ausnahmen gab
und gibt es wenige. Neben Vatnsoyrar, das am
grössten färöischen See liegt, gibt
es lediglich zwei Siedlungen, Kambsdalur und
Norðastahorn (Satelittenstadtteil
Tórshavns), die sich nicht in direktem Bezug
zum Meer befinden. Sowohl Kambsdalur, als auch
Norðastahorn sind sehr junge geplante
Ansiedlungen, die nicht aus der ursprünglichen
genetischen Siedlungsentwicklung hervorgegangen
sind. Die heutige Infrastruktur macht die direkte
Lage am Meer nicht mehr lebensnotwendig, wie dies
noch bis Mitte dieses Jahrhunderts der Fall
war.
Unter allen
färöischen Ansiedlungen nimmt die
Hauptstadt Tórshavn eine Sonderstellung ein.
Das Zusammentreffen einer grossen
indmarks-Fläche, mit einem grossen
geschützten Osthafen (neben dem Flughafen der
wichtigste Verkehrsknotenpunkt ins In- und Ausland)
zum einen und der örtlich zentralen Lage auf
den Färöer zum anderen, liessen
Tórshavn - trotz seiner geringen
Einwohnerzahl von 15.844 (Stand Ende 1997) - zu
einer Primatstadt werden.
Diese
Vormachtstellung gegenüber anderen
färöischen Siedlungen, wird trotz des
sichtbaren Ausbaus neuer und alter Zentren in
Zukunft bestehen bleiben.
Freilich kann
eine naturräumliche Analyse nicht ohne den
Hintergrund des historischen Geschehens erfolgen.
Lenkt man seinen Blick beispielsweise auf
Kirkjubøur, das kulturelle und geistliche
Zentrum des Mittelalters, wird deutlich, dass aus
Mangel an reliefarmem Umland und somit
möglichem Erweiterungsland, sowie der relativ
kleinen Hafenanlage, die Stellung als wichtigstes
färöisches Zentrum nur von zeitlich
begrenzter Dauer sein konnte. Zwar war die
zentralbildende Macht - in diesem Fall der
Bischofssitz - von grosser Bedeutung, doch ohne die
nötigen Zusatzvoraussetzungen, wie sie
Tórshavn aufweist, wurde der alte Kirchort
nach kurzer Blüte wieder zur
Bedeutungslosigkeit degradiert.
Während in
vorindustrieller Zeit der Ausbau einer Siedlung
stets von naturräumlichen Gegebenheiten wie
Steilheit und Untergrund des Reliefs sowie den zur
Verfügung stehenden Baumaterialien begrenzt
wurde, sehen die Möglichkeiten heutiger
Erweiterungen mit Stahlbeton und schwerem
Gerät weit besser aus.
Nimmt man sich
eine topographische Karte der Färöer zur
Hand werden die Vorteile Tórshavns deutlich.
So konnte - bei gleichzeitiger indmarks-Erweiterung
- ein relativ problemloser Ausbau des
Siedlungskörpers erfolgen.
In der
zweitgrössten färöischen Stadt
Klaksvík wird deutlich, dass eine
Erweiterung des Siedlungskörpers auf weit
grössere Probleme stösst. Zwar ist die
Lage auf dem ehemaligen Transfluenzpass geradezu
prädestiniert für eine Siedlung, doch ist
hier eine Erweiterung immer mit einer
indmarks-Verkleinerung verbunden.
Heutzutage
treten die naturräumlichen Gegebenheiten im
Siedlungsausbau mehr und mehr zurück. Wie
bereits erwähnt wurde durch den Einsatz von
Stahlbeton und modernen Maschinen der vorgegebene
Massstab der Natur weit überschritten und
Gebiete, die ehemals für unbebaubar galten,
rücken gerade in Regionen mit
eingeschränkter Grundfläche vermehrt ins
Auge der Stadtplaner. Natürlich wird auch das
technisch Machbare durch finanzielle Grenzen
häufig in seine Schranken verwiesen.
3.
Siedlungsanalyse auf Grund der
Zentrale-Orte-Theorie
Um die Bedeutung
und somit die Wichtigkeit der einzelnen Orte
untereinander bzw. gegeneinander zu erfassen, kann
weder von der Grundfläche noch von der
Bevölkerungszahl einer Stadt ausgegangen
werden. Zur Berechnung unterschiedlicher zentraler
Stufen von Orten stellte Walter CHRISTALLER 1933
die ´Zentrale-Orte-Theorie´ auf, die im
Laufe der letzten Jahrzehnte zur Analyse
unzähliger Untersuchungsgebiete angewandt
wurde.
Die Grundaussage
dieser Theorie besagt, dass eine Stadt Güter
und Dienstleistungen über den eigenen Bedarf
hinaus anbietet. Dieser Bedeutungsüberschuss
macht sie zum Zentralen Ort für das Umland. Je
nach Bedeutungsüberschuss und Grösse des
Ergänzungsgebietes ergibt sich eine
hierarchische Rangfolge der Zentralen Orte. Im
Idealzustand entsteht auf jeder Stufe der
Hierarchie eine hexagonale Anordnung der Zentralen
Orte, da die Sechseckgestalt der
Ergänzungsgebiete die rationellste und, im
Gegensatz zum Kreis, flächendeckend ist
(CHRISTALLER 1933).
Da hier
insbesondere die Versorgungslage peripherer
Räume untersucht werden soll, wurde bei den
Ergebnissen auf eine hexagonale Darstellung
verzichtet.
Neben
verschiedenen Grundvoraussetzungen, die CHRISTALLER
seiner Theorie voranstellte, war eine homogene
Raumannahme und damit eine optimale Erreichbarkeit
eines Zentrums, äusserst wichtig.
Dieses Faktum,
das schon häufig Kritik an der
Zentralen-Orte-Theorie aufwarf, muss sich - so die
Annahme - auf den stark reliefierten
Färöer zwangsläufig als grosses
Problem herauskristallisieren.
Es muss
ebenfalls erwähnt werden, dass diese Theorie
heutzutage auf moderne Industriestaaten nur sehr
bedingt oder stark modifiziert angewendet werden
kann. Reinhard HENKEL vom Geographischen Institut
Heidelberg ist 1979 jedoch der Nachweis gelungen,
dass in einigen afrikanischen
Entwicklungsländern eine recht
gleichmässige Anordnung der
Versorgungseinrichtungen vorhanden ist. Gründe
für diese Verteilung fanden sich in der
Struktur einer langsam beginnenden
Übergangsphase vom Entwicklungs- zum
Industrieland.
Es stellt sich
folglich die Frage, welche Strukturen auf den
Färöer die prägenden sind und ob
ähnliche zentralörtliche Strukturen
nachgewiesen werden können. Die
Färöer als Entwicklungsland zu
bezeichnen, wäre sicherlich nicht korrekt,
doch würde die Bezeichnung Industrieland
ebenfalls nicht befriedigen.
An dieser Stelle
möchte ich auf die Aussage Johann
SCHWACKENBERGs (1994) zurückgreifen:
"Die periphere
Insellage, die deutliche Bestimmung durch relativ
ungünstige physische Geofaktoren - abgesehen
von den Meeren - und die einseitige,
monostrukturierte Wirtschaft, basierend auf dem
primären Sektor, hier der Fischerei, sind
typische Merkmale der Unterentwicklung in vielen
Ländern der sogenannten Dritten Welt."
3.1
Einteilung, Lage und Reichweite der Zentralen
Orte
Zur
Strukturuntersuchung wurde zunächst ein
Katalog für 72 Einrichtungen (Supermarkt,
Bäcker, Kino, Kommunalverwaltung, etc.)
erstellt, der auf sämtliche 117 Ansiedlungen
angewandt wurde. Das Ergebnis lässt eine
fünfgeteilte Hierarchie erkennen, die sich in
Ober-, Mittel-, Unter-, Kleinzentrum und in nicht
zentrale Siedlungen einteilen lässt. Die
relative Mindestanzahl an Zentralen Einrichtungen
wurde wie folgt festgelegt.
Tab. 1:
Ausstattung zur Zentrendefinition.
Kategorie |
relative
Mindestanzahl an zE |
Typische
Einrichtungen, die nur hier
vorkommen |
Kleinzentrum |
11 |
Schiffswerkstatt,
Maschinenwerkstatt,
Feuerwehrstation |
Unterzentrum |
28 |
Apotheken,
Polizeistation, Architekt,
Souvenirgeschäft |
Mittelzentrum |
67 |
Radladen,
Musikinstrumenteladen |
Oberzentrum |
73 |
Universität,
Kino, Parlament |
Im Folgenden
wird stets die relative Anzahl der zentralen
Einrichtungen berücksichtigt werden, da sie im
Gegensatz zur absoluten Anzahl eine breiteres
Angebot darstellt. Die nachfolgende Tabelle zeigt
die unterschiedliche Rangfolge nach absoluter und
relativer Anzahl der zentralen
Einrichtungen.
Tab. 2:
Vergleich zwischen allen Einrichtungen in einer
Siedlungseinheit mit der Anzahl der
unterschiedlichen Einrichtungsarten.
Nr. |
Name
derSiedlungseinheit |
absolute
Zahlder Einrichtungen |
Rang |
relative
Zahlder Einrichtung |
Rang |
1 |
Tórshavn* |
397 |
1 |
73 |
1 |
2 |
Klaksvík |
161 |
3 |
67 |
2 |
3 |
Runavík
u. Toftir** |
178 |
2 |
54 |
3 |
4 |
Tvøroyri*** |
100 |
4 |
52 |
3 |
5 |
Vágur |
83 |
5 |
45 |
4 |
6 |
Fuglafjørður |
57 |
7 |
42 |
5 |
7 |
Miðvágur
u. Sandavágur |
70 |
6 |
41 |
6 |
8 |
Sørvágur**** |
48 |
8 |
35 |
6 |
9 |
Vestmanna***** |
36 |
10 |
29 |
7 |
10 |
Sandur |
43 |
9 |
28 |
8 |
A. Wachter
*mit Argir +
Hoyvík
**mit Saltangará + Glyvrar + Saltnes +
Nes
***mit Trongisvágur + Froðba
**** mit Flughafen
*****mit Válur
Die
Ergänzungsgebiete der jeweiligen Zentren
ergeben sich aus der Reichweite der Zentralen
Güter. Zwar besitzen unterschiedliche
Güter nicht die gleichen Reichweiten, doch
kann man von speziellen Mittelwerten der einzelnen
Hierarchiestufen ausgehen.
Geht man
für Kleinzentren von einer Reichweite von 5 km
aus , so ergibt sich bei hexagonaler Anordnung der
Ergänzungsgebiete mit dem jeweiligen Zentralen
Ort als Mittelpunkt, ein Nächstnachbarabstand
von 9 km.
Tab. 3:
Reichweite und Nächstnachbarabstand.
Kategorie |
Reichweite |
Nächstnachbarabstand |
Kleinzentrum |
5
km |
9
km |
Unterzentrum |
9
km |
15
km |
Mittelzentrum |
15
km |
26
km |
Oberzentrum |
26
km |
45
km |
A. Wachter
(Werte
gerundet)
Mit den
festgelegten Kategorien kann nun eine Einteilung
der Orte in die verschiedenen zentralen Stufen
erfolgen, die im Folgenden kartographisch
dargestellt werden.
3.1.1
Kartographische Darstellung der
Ergebnisse
Karte 1:
Kleinzentren
Karte 2:
Unterzentren
Karte 3:
Mittelzentren
(Die Orte
mit gestrichelten Kreisen erfüllen die
Funktion eines Mittelzentrums, trotz dem Mangel
einiger typischen
Mittelzentern-Einrichtungen.)
Karte 4:
Oberzentrum
3.1.2
Bewertung der kartographischen
Ergebnisse
Wie aus Karte 4
zu entnehmen ergibt sich für das einzige
Oberzentrum Tórshavn ein
Nächstnachbarabstand der Kategorie
´Oberzentrum´ von 45 km.
In der Theorie
hiesse dies, dass Sandvík (Suðuroy),
Mykines (Mykines) und Hattarvík (Fugloy) die
gleiche zentrale Stufe wie die Hauptstadt haben
müssten, um eine optimale Versorgung des
Landes zu gewährleisten.
Selbstverständlich kann dies weder der
Realität entsprechen, noch als
Entwicklungsziel angesehen werden. Die zentrale
Versorgung nimmt kegelförmig von der
Hauptstadt als Spitze in die entfernten Räume
ab.
Die
mathematische Hochrechnung der Reichweiten muss
also mit Vorsicht genossen werden. Trotzdem
kristallisiert sich hier eine deutliche Peripherie
heraus, die zumindest teilweise unterversorgte
Strukturen aufweist, wie sie die kartographischen
Ergebnisse darstellen.
Der grundlegende
Eindruck ist neben mehreren
Überlappungsbereichen - gerade bei den Klein-
und Mittelzentren - eine annähernd optimale
Verteilung der Versorgungszentren. Die anfangs - in
Bezug auf die Durchführung der Theorie -
erwähnte Infragestellung der
Reliefshomogenität tritt folglich in den
Hintergrund. Bei sekundärer Betrachtung liegt
jedoch eine negative Homogenität der
Färöer vor, d.h., dass jeder Ort fast den
gleichen schlechten Bedingungen ausgesetzt
ist.
3.2
Erreichbarkeit der Zentren
Wie bereits oben
erwähnt, ist die genaue Reichweite eines
Produktes schwer exakt zu berechnen und es
können nur Mittelwerte für die Reichweite
angenommen werden. Um dieses Problem zu umgehen,
kann analog die Erreichbarkeit des Zentrums
für den Konsumenten herangezogen werden. So
muss ein Einwohner Sumbas, der die 67,5 km
entfernte Hauptstadt besuchen will, weit weniger
Mühen und Kosten auf sich nehmen, als ein
Einwohner im 46,5 km entfernten Mykines. (siehe
Abb. 1) Man kann die metrische Entfernung eines
Ortes also nicht mit der Reichweite gleichsetzen.
Vielmehr ist sie für den Konsumenten eine
Funktion aus Reisekosten, Reisedauer und
Bequemlichkeit.
Trotz der hier
dargestellten Ergebnisse, darf die Aussagekraft der
kartographischen Darstellung der errechneten
Zentren dennoch nicht unterschätzt werden. So
ist es möglich einen Überblick der
1. optimal
versorgten Gebiete,
2.
teilversorgten Gebiete,
3.
unterversorgten Gebiete,
zu
bekommen.
Besondere
Aufmerksamkeit muss hierbei den peripheren
Räume entgegengebracht werden, die seit langem
im besonderen Interesse der färöischen
Planungen stehen.
4.
Prospektive Siedlungsentwicklung und
Lösungsmöglichkeiten
Es stellt sich
nun die Frage, wie die zukunftspolitische Planung
der Färöer aussehen soll, bzw. muss.
Freilich wäre eine optimale Versorgung der
ganzen Inseln wünschenswert, doch ist dies
weder technisch noch finanziell erstrebenswert. Die
drei alten Hauptzentren neben Tórshavn -
Vestmanna im Westen, Tvøroyri im Süden
und Klaksvík im Norden - stehen seit der
Krise Anfang der 90er noch mehr im Schatten der
Hauptstadt als dies vorher schon der Fall war.
Unter den angeführten kann sich
Klaksvík heute noch am besten
behaupten.
Die
entscheidende Veränderung der letzten zehn
Jahre auf den Färöer ist aber um den
Skálaførður zu beobachten.
Besonders das neu entstandene Zentrum im Bereich
Runavík bildet heutzutage nach
Tórshavn und Klaksvík das dritt
wichtigste der Inseln. Mit diesen drei Orten
kristallisiert sich eine sogenannte
´Punkt-Band-Struktur´ heraus, wie sie
auch für Entwicklungsachsen deutscher
Regionalpläne verwendet wird. Diese
Punkt-Band-Struktur drückt sich in einer
erhöhten Kommunikation,
Bevölkerungsschwerpunkten und erhöhtem
Angebot aus.
Um einen
möglichst grossen Erhalt der
färöischen Siedlungen zu
gewährleisten, wären der Ausbau zweier
´Punkt-Band-Strukturen´ sinnvoll. Zum
einen die bereits erwähnte
Nord-Süd-Verbindung
Klaksvík-Runavík-Tórshavn mit
einer Erweiterung über Sandur nach
Tvøroyri und Vágur. Dieses Band
könnte die wichtigste inländische
Versorgungs- und Kommunikationslinie darstellen und
somit eine Entvölkerung der peripheren
Räume verhindern oder zumindest mindern, wobei
bemerkt werden muss, dass seit Ende 1997 im Breich
Runavík eine Entwicklungsstagnation
eingetreten ist.
Eine
zusätzliche Optimierung der Versorgungs- und
Kommunikationslage dieser Gebiete könnte
beispielsweise durch den Einsatz von
Passagierschnellbooten, wie sie in Norwegen
eingesetzt werden, geschehen.
Mit Hubschrauber
Linien wird dies bereits versucht, doch sind die
kleinen Färöer den Atlantikstürmen
und schlecht Wetterbedingungen besonders wehrlos
ausgeliefert.
Das zweite
wichtige Band muss neben der Versorgung seiner
Ergänzungsgebiete die Verbindung ins Ausland
darstellen, also eine Verbindung zum Flughafen in
Sørvágur. Der Ausbau dieser Linie
Tórshavn-Miðvágur/Sandavágur-Sørvágur
ist durch die Pläne eines Verbindungstunnels
zwischen Stremoy und Vágar politisch bereits
entschieden. Nach Angaben des
Landsverkfrøðingurin soll in absehbarer
Zeit mit dem Bau begonnen werden.
Erfolgt der
geplante, sinnvolle, da wetterunabhängige, Bau
des Verbindungstunnels zwischen Stremoy
(Kvivík) und Vágar
(Oyrargjógv) wird der Bedeutungsverlust des
Mittelzentrums Vestmanna zu Gunsten
Miðvágur/Sandavágur erfolgen.
Will Färöer den Anschluss ans 21.
Jahrhundert nicht verpassen und sein finanzielles
Überleben sichern, muss - auch wenn es schwer
fällt - durch die Gesundschrumpfung einiger
peripherer Gebiete eine Stärkung der Zentren
erfolgen.
Periphere Orte
wie Sumba oder die Nordinseln können aus
heutiger finanzieller Sicht nicht überleben.
Tunnelbauten wie zwischen Lopra und Sumba für
200.000.000 DK Kronen, die für 291 Einwohner
investiert werden, können - so traurig das
klingen mag - nicht die Zukunft der
Färöer darstellen. Trotz der
Aktivsanierung durch die färöische
Regierung hätte die finanzielle Subvention
dieser Gebiete bestenfalls musealen Charakter.
Aus rein
ökonomischer Sicht mag und kann die verfolgte
Aktivsanierung der ländlichen Räume in
Zukunft nicht erfolgreich weitergeführt
werden. Doch darf in einem Land wie den
Färöer mit der Suche nach möglichen
Zukunftsmärkten nicht allein vom momentanen
Bild ausgegangen werden. Ein gutes Beispiel bietet
hier Mykines, das trotz seiner peripheren Lage und
den demographischen Einbussen der letzten Jahre mit
seiner riesigen Vogelkolonie ein wichtiges
Potential für den Ausbau des Tourismus
darstellt.
Auch der Einsatz
neuer Medien, wie Internet und Email, die auf den
Färöer bereits weit verbreitet sind,
tragen entscheident zu einer besseren Kommunikation
bei.
Für die
Zukunft der Färöer muss ein Mittelmass
zwischen dem Prinzip der Aktiv- und Passivsanierung
für den ländlichen Raum gefunden werden,
um mit dieser "Gesundschrumpfung" die unzureichend
entwickelten Zentren zu stärken.
Das schwierigste
Ziel wird jedoch sein, die künftige Generation
zu motivieren nicht abzuwandern - eine Aufgabe,
gegen die Projekte wie Tunnelbauten oder
Strassenerneurungen geradezu als Leichtigkeit zu
sehen sind.
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Anhang:
