GeoSteps - Alexander Wachter
Reiseleitung Reiseführer Photographie Nordeuropaforschung Online-Marketing Print Kontakt Impressum
Photograph: A. Wachter
Unbenanntes Dokument

Nordeuropaforschung

CHRISTALLER IM NORDATLANTIK

- EINE STRUKTURANALYSE DER FÄRÖISCHEN SIEDLUNGEN -
von Alexander Wachter

Summary

This paper is an attempt to establish the settlement structure on Faeroes by using the generative-retrospective theory, to compare the results with the current distribution of Central Places (centres of supply) and to show its future potential. Thus the paper explains, based on Walter CHRISTALLER's Central Place Model (1933), how far the island's relief limits the geographical distribution of Central Places.

 

In order to show that CHRISTALLER's model can be applied to the current stadium and the future development of the Faeroes, an analysis of their natural conditions was necessary. Particularly the homogeneity of landscape, which CHRISTALLER named as one of the basic prerequisites, was to appear as a problem due to the relief of the Faeroes. The regional part of the paper refers to this problem in addition to the unfavourable factors at the northern border of the community.

 

We tried to give a detailed picture of the Faeroes by evaluating historical conditions (chapter 3) and analysing the development of economy (chapter 4), population (chapter 5), settlement (chapter 6), and infrastructure (chapter 7). Then we established and compared Central Places by applying the Central Place Model (chapter 8).

 

The initial assumption that the relief was the main factor determining settlement can be rejected. In the course of the development of settlements it became less important. CHRISTALLER's model can be accepted for the Faeroes and applied to future planning because the distribution of Central Places is homogeneous. A natural limitation for the development of settlements does not exist any longer. With the introduction of reinforced concrete, of technical equipment for tunnel construction and the necessary skill, building with natural materials has been exceeded by far with respect to size and statics. The three main characteristics of the latest developments of cultural landscape are:

 

- strong losses of population at the periphery

 

- reinforcement of the development axis Tórshavn - Runavík - Klaksvík

 

- a policy of supporting rural areas

 

This policy in particular results in a rural settlement structure that is a varied mixture of old and new structures and in an improving infrastructure. It depends on the future financial situation of the islands how strongly the extension of infrastructure will be reinforced in the future.

 

The result of the distribution of Central Places with their region of supply can be divided into three areas:

 

1. well supplied regions

 

2. partly supplied regions

 

3. insufficiently supplied regions

 

From a merely economic point of view the current policy of actively restructuring rural areas will and cannot continue. However, a country like the Faeroes should not base its search for possible markets on the present situation. A good example for this is Mykines with its huge bird colony. It provides an important opportunity of extending tourism despite its place at the periphery and its demographic losses in the last years.

 

Idyllic as the little villages on the fjords may be situated, their preservation will not always be possible. The future for the islands will be the further extension of a few centres. As the hinterland does not supply the centres cost-effectively, it is of no economically acceptable use for them and so has to be neglected for the sake of the centres.

This means that a balance between the principles of actively and passively restructuring rural regions has to be found in order to strengthen the insufficiently developed centres. Expensive tunnel and road constructions into the scarcely populated periphery cannot be the future for the Faeroes.

 

If the islands became independent from Denmark, the current policy of active restructuring would have to be changed into a policy of passive restructuring, that is to say a policy towards centralisation. Thorshavn with its characteristics of a Primate-City could be a basis for that. Investments into the periphery of the Faeroes cannot be financed and would at best create a museum.

 

In my opinion only two chances for the islands exist: First of all, the financially supported remaining with Denmark. This would be the simplest and safest solution. The second possibility would be the concentration on a few centres, provided that Denmark permitted self-administration. This would give the Faeroes a real chance of survival in the times of globalisation and a tightened situation on the global market, that goes hand in hand with it.

 

 

1. Einführung

 

Wie sieht die Zukunft der Färöer aus? Sicherlich eine berechtigte Frage, nach der schweren Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre. Nachdem sich die grössten Wogen mittlerweile gelegt haben, geht es nun darum, die langsam einkehrende Stabilität der färöischen Wirtschaftsstruktur zu stärken und behutsam auszubauen. Diese Stabilisierung und Verbesserung der Lage kann nur durch eine bedachte und wohl überlegte Politik, ohne hektische Ausbrüche bewerkstelligt werden.

 

Gerade der Siedlungserhalt und der damit verbundene notwendige Infrastrukturausbau peripherer Gebiete ist bzw. war eines der obersten Ziele der Regierung. Diese sogenannte Aktivsanierung der ländlichen Räume ist zwar als positiv zu werten, da sie vor dem Hintergrund der Kulturerhaltung gesehen wird, aber leider ist diese Art der Sanierung eine äusserst kostspielige Angelegenheit - so kostspielig, dass sie für die Färöer in Frage gestellt werden muss.

 

Doch eine pauschale Absage an die Aktivsanierung wäre genauso verkehrt wie eine planlose Investiotion in den peripheren Raum. Um jedoch eine Optimierung dieser Massnahmen zu erzielen, muss die momentan vorhandene Struktur der 117 Siedlungen zunächst erfasst und dann analysiert werden.

 

 

2. Die historisch-genetische Siedlungsentwicklung

 

Gehen wir also zunächst einmal von den naturräumlichen Gegebenheiten der Inseln aus, und verfolgen die Frage, warum eine Siedlung dort liegt, wo sie liegt.

 

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die färöischen Siedlungseinheiten (Gebäude mit indmark) - typisch für glazial überformte Landschaften - in Trogtälern (am Fjordufer), in Karlagen, auf Trans- oder Konfluenzstufen liegen. Im Speziellen musste aber stets ein geschützter Hafen oder Bootsanleger vorhanden sein, um die Versorgung von aussen zu gewährleisten. Da die Basaltschichten der Inseln nach Osten einfallen, finden sich an den Ostufern meist flachere Areale, die bei der Landnahme bevorzugt wurden. Es muss allerdings beachtet werden, dass die ersten Siedler, die nach der Machtübernahme Norwegens durch Harald Hårfarge aus ihrer Heimat flohen, keine grossen Ansprüche stellen konnten, sondern sich dort niederliessen, wo eine Grundversorgung ihrer Einschätzung zur Folge möglich sei.

 

Zum Überleben in diesem "neuen" Land mussten vor allem drei Grundbedürfnisse gedeckt sein:

 

1. Genügend Trinkwasser.

 

2. Flache Areale, die Landwirtschaft zuliessen.

 

3. Einen geschützten Hafen, der noch bis Mitte dieses Jahrhunderts die wichtigste infrastrukturelle Einrichtung darstellte.

 

Ausnahmen gab und gibt es wenige. Neben Vatnsoyrar, das am grössten färöischen See liegt, gibt es lediglich zwei Siedlungen, Kambsdalur und Norðastahorn (Satelittenstadtteil Tórshavns), die sich nicht in direktem Bezug zum Meer befinden. Sowohl Kambsdalur, als auch Norðastahorn sind sehr junge geplante Ansiedlungen, die nicht aus der ursprünglichen genetischen Siedlungsentwicklung hervorgegangen sind. Die heutige Infrastruktur macht die direkte Lage am Meer nicht mehr lebensnotwendig, wie dies noch bis Mitte dieses Jahrhunderts der Fall war.

 

Unter allen färöischen Ansiedlungen nimmt die Hauptstadt Tórshavn eine Sonderstellung ein. Das Zusammentreffen einer grossen indmarks-Fläche, mit einem grossen geschützten Osthafen (neben dem Flughafen der wichtigste Verkehrsknotenpunkt ins In- und Ausland) zum einen und der örtlich zentralen Lage auf den Färöer zum anderen, liessen Tórshavn - trotz seiner geringen Einwohnerzahl von 15.844 (Stand Ende 1997) - zu einer Primatstadt werden.

Diese Vormachtstellung gegenüber anderen färöischen Siedlungen, wird trotz des sichtbaren Ausbaus neuer und alter Zentren in Zukunft bestehen bleiben.

 

Freilich kann eine naturräumliche Analyse nicht ohne den Hintergrund des historischen Geschehens erfolgen. Lenkt man seinen Blick beispielsweise auf Kirkjubøur, das kulturelle und geistliche Zentrum des Mittelalters, wird deutlich, dass aus Mangel an reliefarmem Umland und somit möglichem Erweiterungsland, sowie der relativ kleinen Hafenanlage, die Stellung als wichtigstes färöisches Zentrum nur von zeitlich begrenzter Dauer sein konnte. Zwar war die zentralbildende Macht - in diesem Fall der Bischofssitz - von grosser Bedeutung, doch ohne die nötigen Zusatzvoraussetzungen, wie sie Tórshavn aufweist, wurde der alte Kirchort nach kurzer Blüte wieder zur Bedeutungslosigkeit degradiert.

 

Während in vorindustrieller Zeit der Ausbau einer Siedlung stets von naturräumlichen Gegebenheiten wie Steilheit und Untergrund des Reliefs sowie den zur Verfügung stehenden Baumaterialien begrenzt wurde, sehen die Möglichkeiten heutiger Erweiterungen mit Stahlbeton und schwerem Gerät weit besser aus.

 

Nimmt man sich eine topographische Karte der Färöer zur Hand werden die Vorteile Tórshavns deutlich. So konnte - bei gleichzeitiger indmarks-Erweiterung - ein relativ problemloser Ausbau des Siedlungskörpers erfolgen.

In der zweitgrössten färöischen Stadt Klaksvík wird deutlich, dass eine Erweiterung des Siedlungskörpers auf weit grössere Probleme stösst. Zwar ist die Lage auf dem ehemaligen Transfluenzpass geradezu prädestiniert für eine Siedlung, doch ist hier eine Erweiterung immer mit einer indmarks-Verkleinerung verbunden.

 

Heutzutage treten die naturräumlichen Gegebenheiten im Siedlungsausbau mehr und mehr zurück. Wie bereits erwähnt wurde durch den Einsatz von Stahlbeton und modernen Maschinen der vorgegebene Massstab der Natur weit überschritten und Gebiete, die ehemals für unbebaubar galten, rücken gerade in Regionen mit eingeschränkter Grundfläche vermehrt ins Auge der Stadtplaner. Natürlich wird auch das technisch Machbare durch finanzielle Grenzen häufig in seine Schranken verwiesen.

 

 

3. Siedlungsanalyse auf Grund der Zentrale-Orte-Theorie

 

Um die Bedeutung und somit die Wichtigkeit der einzelnen Orte untereinander bzw. gegeneinander zu erfassen, kann weder von der Grundfläche noch von der Bevölkerungszahl einer Stadt ausgegangen werden. Zur Berechnung unterschiedlicher zentraler Stufen von Orten stellte Walter CHRISTALLER 1933 die ´Zentrale-Orte-Theorie´ auf, die im Laufe der letzten Jahrzehnte zur Analyse unzähliger Untersuchungsgebiete angewandt wurde.

 

Die Grundaussage dieser Theorie besagt, dass eine Stadt Güter und Dienstleistungen über den eigenen Bedarf hinaus anbietet. Dieser Bedeutungsüberschuss macht sie zum Zentralen Ort für das Umland. Je nach Bedeutungsüberschuss und Grösse des Ergänzungsgebietes ergibt sich eine hierarchische Rangfolge der Zentralen Orte. Im Idealzustand entsteht auf jeder Stufe der Hierarchie eine hexagonale Anordnung der Zentralen Orte, da die Sechseckgestalt der Ergänzungsgebiete die rationellste und, im Gegensatz zum Kreis, flächendeckend ist (CHRISTALLER 1933).

 

Da hier insbesondere die Versorgungslage peripherer Räume untersucht werden soll, wurde bei den Ergebnissen auf eine hexagonale Darstellung verzichtet.

 

Neben verschiedenen Grundvoraussetzungen, die CHRISTALLER seiner Theorie voranstellte, war eine homogene Raumannahme und damit eine optimale Erreichbarkeit eines Zentrums, äusserst wichtig.

Dieses Faktum, das schon häufig Kritik an der Zentralen-Orte-Theorie aufwarf, muss sich - so die Annahme - auf den stark reliefierten Färöer zwangsläufig als grosses Problem herauskristallisieren.

 

Es muss ebenfalls erwähnt werden, dass diese Theorie heutzutage auf moderne Industriestaaten nur sehr bedingt oder stark modifiziert angewendet werden kann. Reinhard HENKEL vom Geographischen Institut Heidelberg ist 1979 jedoch der Nachweis gelungen, dass in einigen afrikanischen Entwicklungsländern eine recht gleichmässige Anordnung der Versorgungseinrichtungen vorhanden ist. Gründe für diese Verteilung fanden sich in der Struktur einer langsam beginnenden Übergangsphase vom Entwicklungs- zum Industrieland.

 

Es stellt sich folglich die Frage, welche Strukturen auf den Färöer die prägenden sind und ob ähnliche zentralörtliche Strukturen nachgewiesen werden können. Die Färöer als Entwicklungsland zu bezeichnen, wäre sicherlich nicht korrekt, doch würde die Bezeichnung Industrieland ebenfalls nicht befriedigen.

An dieser Stelle möchte ich auf die Aussage Johann SCHWACKENBERGs (1994) zurückgreifen:

"Die periphere Insellage, die deutliche Bestimmung durch relativ ungünstige physische Geofaktoren - abgesehen von den Meeren - und die einseitige, monostrukturierte Wirtschaft, basierend auf dem primären Sektor, hier der Fischerei, sind typische Merkmale der Unterentwicklung in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt."

 

3.1 Einteilung, Lage und Reichweite der Zentralen Orte

Zur Strukturuntersuchung wurde zunächst ein Katalog für 72 Einrichtungen (Supermarkt, Bäcker, Kino, Kommunalverwaltung, etc.) erstellt, der auf sämtliche 117 Ansiedlungen angewandt wurde. Das Ergebnis lässt eine fünfgeteilte Hierarchie erkennen, die sich in Ober-, Mittel-, Unter-, Kleinzentrum und in nicht zentrale Siedlungen einteilen lässt. Die relative Mindestanzahl an Zentralen Einrichtungen wurde wie folgt festgelegt.

 

Tab. 1: Ausstattung zur Zentrendefinition.

 

Kategorie

relative Mindestanzahl an zE

Typische Einrichtungen, die nur hier vorkommen

Kleinzentrum

11

Schiffswerkstatt, Maschinenwerkstatt, Feuerwehrstation

Unterzentrum

28

Apotheken, Polizeistation, Architekt, Souvenirgeschäft

Mittelzentrum

67

Radladen, Musikinstrumenteladen

Oberzentrum

73

Universität, Kino, Parlament

 

Im Folgenden wird stets die relative Anzahl der zentralen Einrichtungen berücksichtigt werden, da sie im Gegensatz zur absoluten Anzahl eine breiteres Angebot darstellt. Die nachfolgende Tabelle zeigt die unterschiedliche Rangfolge nach absoluter und relativer Anzahl der zentralen Einrichtungen.

 

Tab. 2: Vergleich zwischen allen Einrichtungen in einer Siedlungseinheit mit der Anzahl der unterschiedlichen Einrichtungsarten.

 

Nr.

Name derSiedlungseinheit

absolute Zahlder Einrichtungen

Rang

relative Zahlder Einrichtung

Rang

1

Tórshavn*

397

1

73

1

2

Klaksvík

161

3

67

2

3

Runavík u. Toftir**

178

2

54

3

4

Tvøroyri***

100

4

52

3

5

Vágur

83

5

45

4

6

Fuglafjørður

57

7

42

5

7

Miðvágur u. Sandavágur

70

6

41

6

8

Sørvágur****

48

8

35

6

9

Vestmanna*****

36

10

29

7

10

Sandur

43

9

28

8

A. Wachter

*mit Argir + Hoyvík
**mit Saltangará + Glyvrar + Saltnes + Nes
***mit Trongisvágur + Froðba
**** mit Flughafen
*****mit Válur

 

Die Ergänzungsgebiete der jeweiligen Zentren ergeben sich aus der Reichweite der Zentralen Güter. Zwar besitzen unterschiedliche Güter nicht die gleichen Reichweiten, doch kann man von speziellen Mittelwerten der einzelnen Hierarchiestufen ausgehen.

Geht man für Kleinzentren von einer Reichweite von 5 km aus , so ergibt sich bei hexagonaler Anordnung der Ergänzungsgebiete mit dem jeweiligen Zentralen Ort als Mittelpunkt, ein Nächstnachbarabstand von 9 km.

 

Tab. 3: Reichweite und Nächstnachbarabstand.

 

Kategorie

Reichweite

Nächstnachbarabstand

Kleinzentrum

5 km

9 km

Unterzentrum

9 km

15 km

Mittelzentrum

15 km

26 km

Oberzentrum

26 km

45 km

A. Wachter
(Werte gerundet)

 

Mit den festgelegten Kategorien kann nun eine Einteilung der Orte in die verschiedenen zentralen Stufen erfolgen, die im Folgenden kartographisch dargestellt werden.

3.1.1 Kartographische Darstellung der Ergebnisse

Karte 1: Kleinzentren

Färöer

 

Karte 2: Unterzentren

Färöer

 

Karte 3: Mittelzentren
(Die Orte mit gestrichelten Kreisen erfüllen die Funktion eines Mittelzentrums, trotz dem Mangel einiger typischen Mittelzentern-Einrichtungen.)

Färöer

 

Karte 4: Oberzentrum

Färöer

 

3.1.2 Bewertung der kartographischen Ergebnisse

Wie aus Karte 4 zu entnehmen ergibt sich für das einzige Oberzentrum Tórshavn ein Nächstnachbarabstand der Kategorie ´Oberzentrum´ von 45 km.

 

In der Theorie hiesse dies, dass Sandvík (Suðuroy), Mykines (Mykines) und Hattarvík (Fugloy) die gleiche zentrale Stufe wie die Hauptstadt haben müssten, um eine optimale Versorgung des Landes zu gewährleisten. Selbstverständlich kann dies weder der Realität entsprechen, noch als Entwicklungsziel angesehen werden. Die zentrale Versorgung nimmt kegelförmig von der Hauptstadt als Spitze in die entfernten Räume ab.

 

Die mathematische Hochrechnung der Reichweiten muss also mit Vorsicht genossen werden. Trotzdem kristallisiert sich hier eine deutliche Peripherie heraus, die zumindest teilweise unterversorgte Strukturen aufweist, wie sie die kartographischen Ergebnisse darstellen.

 

Der grundlegende Eindruck ist neben mehreren Überlappungsbereichen - gerade bei den Klein- und Mittelzentren - eine annähernd optimale Verteilung der Versorgungszentren. Die anfangs - in Bezug auf die Durchführung der Theorie - erwähnte Infragestellung der Reliefshomogenität tritt folglich in den Hintergrund. Bei sekundärer Betrachtung liegt jedoch eine negative Homogenität der Färöer vor, d.h., dass jeder Ort fast den gleichen schlechten Bedingungen ausgesetzt ist.

 

 

3.2 Erreichbarkeit der Zentren

Wie bereits oben erwähnt, ist die genaue Reichweite eines Produktes schwer exakt zu berechnen und es können nur Mittelwerte für die Reichweite angenommen werden. Um dieses Problem zu umgehen, kann analog die Erreichbarkeit des Zentrums für den Konsumenten herangezogen werden. So muss ein Einwohner Sumbas, der die 67,5 km entfernte Hauptstadt besuchen will, weit weniger Mühen und Kosten auf sich nehmen, als ein Einwohner im 46,5 km entfernten Mykines. (siehe Abb. 1) Man kann die metrische Entfernung eines Ortes also nicht mit der Reichweite gleichsetzen. Vielmehr ist sie für den Konsumenten eine Funktion aus Reisekosten, Reisedauer und Bequemlichkeit.

 

Torshavn

Trotz der hier dargestellten Ergebnisse, darf die Aussagekraft der kartographischen Darstellung der errechneten Zentren dennoch nicht unterschätzt werden. So ist es möglich einen Überblick der

1. optimal versorgten Gebiete,

2. teilversorgten Gebiete,

3. unterversorgten Gebiete,

zu bekommen.

Besondere Aufmerksamkeit muss hierbei den peripheren Räume entgegengebracht werden, die seit langem im besonderen Interesse der färöischen Planungen stehen.

 

 

4. Prospektive Siedlungsentwicklung und Lösungsmöglichkeiten

 

Es stellt sich nun die Frage, wie die zukunftspolitische Planung der Färöer aussehen soll, bzw. muss. Freilich wäre eine optimale Versorgung der ganzen Inseln wünschenswert, doch ist dies weder technisch noch finanziell erstrebenswert. Die drei alten Hauptzentren neben Tórshavn - Vestmanna im Westen, Tvøroyri im Süden und Klaksvík im Norden - stehen seit der Krise Anfang der 90er noch mehr im Schatten der Hauptstadt als dies vorher schon der Fall war. Unter den angeführten kann sich Klaksvík heute noch am besten behaupten.

Die entscheidende Veränderung der letzten zehn Jahre auf den Färöer ist aber um den Skálaførður zu beobachten. Besonders das neu entstandene Zentrum im Bereich Runavík bildet heutzutage nach Tórshavn und Klaksvík das dritt wichtigste der Inseln. Mit diesen drei Orten kristallisiert sich eine sogenannte ´Punkt-Band-Struktur´ heraus, wie sie auch für Entwicklungsachsen deutscher Regionalpläne verwendet wird. Diese Punkt-Band-Struktur drückt sich in einer erhöhten Kommunikation, Bevölkerungsschwerpunkten und erhöhtem Angebot aus.

 

Um einen möglichst grossen Erhalt der färöischen Siedlungen zu gewährleisten, wären der Ausbau zweier ´Punkt-Band-Strukturen´ sinnvoll. Zum einen die bereits erwähnte Nord-Süd-Verbindung Klaksvík-Runavík-Tórshavn mit einer Erweiterung über Sandur nach Tvøroyri und Vágur. Dieses Band könnte die wichtigste inländische Versorgungs- und Kommunikationslinie darstellen und somit eine Entvölkerung der peripheren Räume verhindern oder zumindest mindern, wobei bemerkt werden muss, dass seit Ende 1997 im Breich Runavík eine Entwicklungsstagnation eingetreten ist.

 

Eine zusätzliche Optimierung der Versorgungs- und Kommunikationslage dieser Gebiete könnte beispielsweise durch den Einsatz von Passagierschnellbooten, wie sie in Norwegen eingesetzt werden, geschehen.

 

Mit Hubschrauber Linien wird dies bereits versucht, doch sind die kleinen Färöer den Atlantikstürmen und schlecht Wetterbedingungen besonders wehrlos ausgeliefert.

 

 

Das zweite wichtige Band muss neben der Versorgung seiner Ergänzungsgebiete die Verbindung ins Ausland darstellen, also eine Verbindung zum Flughafen in Sørvágur. Der Ausbau dieser Linie Tórshavn-Miðvágur/Sandavágur-Sørvágur ist durch die Pläne eines Verbindungstunnels zwischen Stremoy und Vágar politisch bereits entschieden. Nach Angaben des Landsverkfrøðingurin soll in absehbarer Zeit mit dem Bau begonnen werden.

 

Erfolgt der geplante, sinnvolle, da wetterunabhängige, Bau des Verbindungstunnels zwischen Stremoy (Kvivík) und Vágar (Oyrargjógv) wird der Bedeutungsverlust des Mittelzentrums Vestmanna zu Gunsten Miðvágur/Sandavágur erfolgen. Will Färöer den Anschluss ans 21. Jahrhundert nicht verpassen und sein finanzielles Überleben sichern, muss - auch wenn es schwer fällt - durch die Gesundschrumpfung einiger peripherer Gebiete eine Stärkung der Zentren erfolgen.

 

Periphere Orte wie Sumba oder die Nordinseln können aus heutiger finanzieller Sicht nicht überleben. Tunnelbauten wie zwischen Lopra und Sumba für 200.000.000 DK Kronen, die für 291 Einwohner investiert werden, können - so traurig das klingen mag - nicht die Zukunft der Färöer darstellen. Trotz der Aktivsanierung durch die färöische Regierung hätte die finanzielle Subvention dieser Gebiete bestenfalls musealen Charakter.

Aus rein ökonomischer Sicht mag und kann die verfolgte Aktivsanierung der ländlichen Räume in Zukunft nicht erfolgreich weitergeführt werden. Doch darf in einem Land wie den Färöer mit der Suche nach möglichen Zukunftsmärkten nicht allein vom momentanen Bild ausgegangen werden. Ein gutes Beispiel bietet hier Mykines, das trotz seiner peripheren Lage und den demographischen Einbussen der letzten Jahre mit seiner riesigen Vogelkolonie ein wichtiges Potential für den Ausbau des Tourismus darstellt.

 

Auch der Einsatz neuer Medien, wie Internet und Email, die auf den Färöer bereits weit verbreitet sind, tragen entscheident zu einer besseren Kommunikation bei.

 

Für die Zukunft der Färöer muss ein Mittelmass zwischen dem Prinzip der Aktiv- und Passivsanierung für den ländlichen Raum gefunden werden, um mit dieser "Gesundschrumpfung" die unzureichend entwickelten Zentren zu stärken.

 

Das schwierigste Ziel wird jedoch sein, die künftige Generation zu motivieren nicht abzuwandern - eine Aufgabe, gegen die Projekte wie Tunnelbauten oder Strassenerneurungen geradezu als Leichtigkeit zu sehen sind.

 

 

Literaturverzeichnis:

 

ALEXANDERSSON, G. (1985): Das städtische Siedlungssystem Nordeuropas. In: Geographische Rundschau 37, Westermann Braunschweig, S. 515-520.

BUTZIN, B. (1985): "Counterurbanization" und wirtschaftsräumlicher Strukturwandel in Nordeuropa. In: Geographische Rundschau 37, Westermann Braunschweig, S. 522-527.

CHRISTALLER, W. (1933): Die zentralen Orte in Süddeutschland. Nachdruck 1968 Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 331 S..

CHRISTALLER, W. (1968): Wie ich zu der Theorie der zentralen Orte gekommen bin. Ein Bericht, wie eine Theorie entstehen kann, und in meinem Fall entstanden ist. In: Geogr. Zeitschrift, S. 88-101.

DANMARKS STATISTISK (1965, 1975, 1979): Færøerne. Det Statisstiske Departement København, 44 S/138 S..

DYREBORG, P. (1995): Landet og husene. In: ARKITEKTUR DK (1995). Færøsk Arkitektur. Arkitektens Forlag, S. 14-29.

FRICKE, W. (1975): Versuch einer Bewältigung der Vielfalt siedlungsgeographischer Forschungsansätze. In: Rhein-Mainische Forschung, H. 8, Festschrift für Anneliese Krenzlin zu ihrem 70. Geburtstag. Kramer Frankfurt a. M., S. 253-262.

GEBHARDT, H. (1996): Zentralitätsforschung - ein "alter Hut" für die Regionalforschung und Raumordnung heute? In: Erdkunde 50, S. 1-7.

GLÄSSER, E. (1969): Die ländlichen Siedlungen. Ein Bericht zu Stand der siedlungsgeographischen Forschung. In: Geographische Rundschau 21, Westermann Braunschweig, S. 161-170.

GORSEMANN, S. (1990): Die Färöer - Inselwelt im Nordatlantik. Du Mont Köln, 241 S..

GUTTESEN, R. (1996): The Faeroe Islands - Topographic Atlas. Kort og Matrikelstyrelsen. København. 126 S..

HAGSTOVA FØROYAR (1995, 1996, 1997): Árbók fyri Føroyar 1995. Føroyar Skúlabókagrunnur Tórshavn.

HEINRITZ, G. (1979): Zentralität und zentrale Orte. Teubner Stuttgart, 179 S..

HENKEL, R. (1979): Central Places in Western Kenya. Heidelberger Geographische Arbeiten H. 54, Selbstverlag, 274 S..

INSTITUT FOR GEOGRAFI (1993): Færøerne - Materialesamling til geografisk Feltkursus 1993. 386 S..

JØRGENSEN, N. J. H. (1978): Færøerne/Føroyar. In: Geostudie 7. Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck, 30 S..

KAMPP, A. H. (1977): Færøerne/Føroyar. In: Geostudier 7. Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck, 30 S..

KIEHN, W. (1996): Zentrale Orte: Neuformulierung der Theorie und Methoden zur Abgrenzung des Zentralen Ortes gegen sein Umland unter besonderer Berücksichtigung des Einzelhandels - untersucht an Beispielen in Nordbaden. Dissertation Universität Heidelberg, 156 S..

KORT- OG MATRIKELSTYRELSEN (1989): Føroyar - Topografisk Atlas. København.

LIENAU, C. (1972): Terminologischer Rahmen für die Geographie der Siedlungen des ländlichen Raumes - Funktion und sozialökonomische Struktur, Form, Genese und zukünkftige Entwicklung. In: UHLIG, H. (Hrsg.) Die Siedlungen des ländlichen Raumes. Material zur Terminologie der Agrarlandschaft, Bd. II, S.9-51.

LIENAU, C. (1995): Die Siedlungen des ländlichen Raumes. Das geographische Seminar. 2. Auflage, Westermann Braunschweig, 246 S..

OBERBECK, G. (1964): Ergebnisse natur- und kulturgeographischer Untersuchungen auf den Färöern. In: Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft zu Hannover 1960 bis 1962, 150 S..

OBERBECK, G. (1976): Island und Färöer - ein Beitrag zu einer vergleichenden Siedlungsgeographischen Betrachtung. In: Mensch und Erde. Festschrift für W. Müller-Wille, Westf. Geogr. Studien, Bd. 33, S. 181-190.

OBERBECK, G. (1977): Tórshavn - Hafenstadt und Hinterland. Ein Beitrag zur regionalen Entwicklung und Planung der Hauptstadt der Färöer. In: Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft 1975/76 , Bd. 35, Springer Berlin Heidelberg New York.

RAAB, M. (1997): Tourismus auf den Färöer. Diplomarbeit Universität Heidelberg, 130 S..

SCHWACKENBERG ,J. (1994): Die Färöer. In: GLÄSSER, E.: Nordeuropa. Harenberg Dortmund, S.611-616.

THE FAROESE DEVELOPMENT OFFICE (1996): Business Directory - virkisskráin. (interne Daten), Tórshavn, 103 S..

WACHTER, A. (1997): Die Siedlungsstruktur der Färöer. Natur und Genese - Funktion und Zukunft. Diplomarbeit Universität Heidelberg, 121 S..

 

 

Anhang:

Färöer

 

>> Nächstenliebe ist die einzig mögliche Realpolitik. << - Fridtjof Nansen, norwegischer Polarforscher und Diplomat, 1861-1930, Friedensnobelpreis 1922