GeoSteps - Alexander Wachter
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Photograph: A. Wachter
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Nordeuropaforschung

CHRISTALLER IM NORDATLANTIK

- EINE STRUKTURANALYSE DER FÄRÖISCHEN SIEDLUNGEN -
von Alexander Wachter

Zusammenfassung Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, die Siedlungsstruktur auf den Färöer mit Hilfe der generativ-retrospektivischen Betrachtungsweise darzustellen, die Ergebnisse mit der aktuellen Lageverteilung derTórshavn Zentralen Orte (Versorgungszentren) zu vergleichen und zukünftige Potentiale aufzuzeigen. In der vorliegenden Arbeit wurde folglich geklärt, in wie weit sich die zentralörtliche Lageverteilung von der starken Reliefierung der Färöer in Schranken weisen läßt. Die Lageverteilung wurde mit Hilfe der Zentrale-Orte-Theorie von Walter CHRISTALLER (1933) dargestellt. Um die Verwendbarkeit der CHRISTALLERschen Zentrale-Orte-Theorie für das gegenwärtige Stadium und die zukünftige Entwicklung der Färöer aufzuzeigen, bedurfte es zunächst einer Analyse der naturräumlichen Gegebenheiten. Besonders die von CHRISTALLER als eine der Grundvoraussetzungen genannte Homogenität der Landschaft mußte sich durch die starke Reliefierung der Färöer als Problem herausstellen. Im landeskundlichen Teil der Arbeit (Kap. 2) wurde deshalb, neben den Ungunstfaktoren an der nördlichen Grenze der Ökumene, besonders auf dieses Problem hingewiesen. Durch die zusätzliche Auswertung der historischen Gegebenheiten (Kap. 3),sowie der Analyse von Wirtschafts- (Kap. 4), Bevölkerungs- (Kap. 5), Siedlungs- (Kap. 6) und Infrastrukturentwicklungen (Kap. 7) wurde versucht, ein möglichst detailliertes Bild der Färöer darzustellen. Mit Hilfe der Zentralen-Orte-Theorie wurden daraufhin für sämtliche 115 Ansiedlungen Zentrale Orte (Kleinzentren, Unterzentren, Mittelzentren und Oberzentrum) ausgewiesen und Färöerverglichen (Kap. 8). Nach Betrachtung der Untersuchungsergebnisse kann der anfänglichen Vermutung einer entwicklungsprägenden Dominanz durch das Relief heute widersprochen werden. Im Laufe der Siedlungsentwicklung tritt diese mehr und mehr in den Hintergrund. Durch die zum Teil deutliche Homogenität der Zentrale-Orte-Verteilung, kann die CHRISTALLERsche Theorie für die Färöer als richtig angenommen und für zukünftige Entwicklungsplanungen verwendet werden. Eine natürliche Begrenzung der Siedungsentwicklung durch das Relief ist nicht mehr gegeben. Mit der Einführung von Stahlbeton, technischen Geräten zum Tunnelbau und dem nötigen Know-how sind auch auf den Färöer Maßstäbe in Bezug auf Größe und Statik des Bauens mit Naturstoffen weit überholt worden. Die drei wichtigsten Hauptmerkmale der jüngsten Kulturlandschaftsentwicklungen sind: - Starker Bevölkerungsschwund in der färöischen Peripherie. - Stärkung der Entwicklungsachse Tórshavn - Runavík - Klaksvík. - Politik zur Förderung des ländlichen Raumes. Gerade durch diese Förderung ergibt sich für das ländliche Siedlungsbild eine reichhaltige Mischung aus alten und neuen Strukturen. Auch ist ein immer besserer Infrastrukturausbau Ausdruck dieser Politik. Inwieweit dieser Ausbau in Zukunft ausgeweitet werden soll und kann, hängt von der finanziellen Zukunftslage der Inseln ab. Das Ergebnis der Zentrale-Orte-Verteilung und deren MidvagúrVersorgungsgebiet kann in drei Bereiche eingeteilt werden: 1. Optimal versorgte Gebiete 2. Teilversorgte Gebiete 3. Unterversorgte Gebiete Aus rein ökonomischer Sicht mag und kann die verfolgte Aktivsanierung der ländlichen Räume in Zukunft nicht erfolgreich weitergeführt werden. Doch darf in einem Land wie den Färöer mit der Suche nach möglichen Zukunftsmärkten nicht allein vom momentanen Bild ausgegangen werden. Ein gutes Beispiel bietet hier Mykines, das trotz seiner peripheren Lage und den demographischen Einbußen der letzten Jahre mit seiner riesigen Vogelkolonie ein wichtiges Potential für den Ausbau des Tourismus darstellt. So idyllisch die kleinen Ortschaften an den Fjorden auch daliegen mögen, ein Erhalt dieser wird nicht in allen Fällen möglich sein. Der weiter geplante Ausbau weniger Zentren wird die Zukunft der Inseln darstellen. Da eine kostendeckende wirtschaftliche Versorgung der Zentren durch das Hinterland nicht besteht, und somit ein ökonomisch tragbarer Nutzen des Hinterlandes nicht vorhanden ist, muß dieses zum Wohle der Zentren vernachlässigt werden. Es muß folglich ein Mittelmaß zwischen dem Prinzip der Aktiv- und Passivsanierung für den ländlichen Raum gefunden Kvivíkwerden, um mit dieser „Gesundschrumpfung“ die unzureichend entwickelten Zentren zu stärken. Teure Tunnel- und Straßenbauten in die dünn besiedelte färöische Peripherie können nicht die Zukunft der Färöer darstellen. Würden die Inseln unabhängig von Dänemark, müßte die derzeitige Aktivsanierungspolitik auf eine Politik der Passivsanierung, d.h. hin zum Zentralismus geändert werden. Tórshavn mit seinen Primatstadtmerkmalen würde hierfür ein Grundgerüst darstellen. Investitionen in die färöische Peripherie in einem unabhängigen Färöer wären nicht finanzierbar und hätten bestenfalls musealen Charakter. Es ergeben sich meiner Ansicht nach nur zwei Zukunftsmöglichkeiten für die Inseln. Erstens der finanziell unterstützte Verbleib bei Dänemark, die wohl einfachste und sicherste Lösung oder im Falle der Selbstverwaltung - wenn Dänemark diese zuließe - die Konzentration auf einige wenige Zentren, um in Zeiten der Globalisierung und der damit einhergehenden verschärften Lage auf dem Weltwirtschaftsmarkt eine reale Überlebenschance zu haben.
>> Nächstenliebe ist die einzig mögliche Realpolitik. << - Fridtjof Nansen, norwegischer Polarforscher und Diplomat, 1861-1930, Friedensnobelpreis 1922